Einleitung Link to heading
Die Struktur eines Zettelkastens ist schnell erklärt: Er besteht aus (kleinen) Notiz-Seiten, Zetteln, und Links, die auf andere Zettel verweisen, ähnlich wie Wikipedia, aber es funktioniert anders. Es gibt viele Möglichkeiten diese Struktur zu implementieren, doch in diesem Aufsatz möchte nicht darauf eingehen. Viel eher darauf, wofür ich den Zettelkasten nutze und was für praktische Tipps daraus für mich folgen.
Wikipedia ist ein Wissensarchiv, dort tragen Menschen außer aller Welt ihr Wissen zusammen und machen es für andere Menschen verfügbar. Es ist verlockend, den Zettelkasten ähnlich zu nutzen und angesammeltes Wissen in ihm zu speichern. Doch das ist nicht die eigentliche Idee, die Niklas Luhmann in seinem legendären Zettelkasten verfolgte. Für ihn war der Zettelkasten kein Archiv, sondern ein Denkpartner.
Zettelkasten als Denkpartner Link to heading
Wenn ein Denkprozess in einem angeregt ist, dann hört der Zettelkasten durch das Aufschreiben und atomisieren in kleine Zettel einem zu und hilft damit beim Erfassen der Gedanken. Durch das Vernetzen von Zetteln im Zettelkasten, werden diese Gedanken untereinander und mit älteren Gedanken verknüpft und strukturiert. Durch diesen Prozess enstehen neue Gedanken und der Prozess beginnt von vorn.
Der Zettelkasten ist damit kein Wissens- sonder ein Denkarchiv und das neue Wissen ist nicht in den Notizen sondern im Netzwerk, den Verlinkungen zwischen den Zetteln, enthalten. Diese können durch gezieltes verlinken entdeckt werden. Das entdeckte Wissen selbst sollte dann an einer anderen Stelle archiviert werden und deswegen war Niklas Luhmann so produktiv.
Pflegehinweise Link to heading
Wir haben gesehen, dass der Zettelkasten wie ein Lebewesen ist. Es besteht aus den eigenen Gedanken und deren Verlinkungen. Um ein fruchtbarer Partner zu sein, muss der Zettelkasten gepflegt werden.
Einerseits benötigt er Futter in Form von Zetteln, damit neuen Gedanken als mögliche Basis für neue Verlinkungen vorhanden sind. Doch diese sind wertlos, wenn sie nicht in das bestehende Netzwerk eingewoben werden. Bei diesem Verdauungsprozess wächst erst der Zettelkasten und es ensteht Erkenntnis.
Dazu habe ich folgende Pflegetipps:
Kurze Zettel Link to heading
Zettel im Zettelkasten sind atomare Gedanken. Das heißt sie sollten im Idealfall nicht weiter heruntergebrochen werden können. Denn je kleiner, atomarer der Gedanke, desto einfacher ist es ihn mit anderen zu verknüpfen. Ein Zettel sollte daher nicht länger sein, als eine Seite, damit er übersichtlich ist. Das heißt auch, das ein Zettel nicht zu viele Verknüpfungen haben sollte. Sollte das der Fall sein, ist ein Hinweis darauf, dass sich mehr dahinter befindet, was eventuell Anlass für einen weiteren Zettel ist.
Hinzu kommt, dass ein kurzer Zettel die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er noch einmal angeschaut wird. Was für die Vernetzung wichtig ist. Es kann auch sinnvoll sein, verschiedene Kategorien für die Zettel einzuführen. Diese helfen mir, die Art eines Zettels auf einen Blick zu erkennen und eventuell zu erkennen, ob ein Gedanke noch weiter heruntergebrochen werden kann. Meine Kategorien sind:
- Archive – Archivierte Zettel.
- Claim – Unbewiesene Aussagen oder Behauptungen.
- Definition – Definitionen von Begriffen.
- Example – Beispiele, die Konzepte oder Ideen illustrieren.
- Note – Allgemeine Notizen, die keiner anderen Kategorie eindeutig zugeordnet werden können. Die meisten Zettel sollten von dieser Form sein.
- Overview – Übersichten oder strukturierende Zusammenfassungen.
- Result – Sätze, Lemmata oder Propositionen.
- Question – Offene Fragen oder Forschungsfragen.
Navigation im Zettelkasten Link to heading
Um neue Verknüpfungen zu entdecken, ist es auch wichtig, im Zettelkasten sich zu bewegen und sich die vorhandenen Zettel regelmäßig anzuschauen. Daher erscheint es mir sinnvoll, über bestimmte Eintrittspunkte (dem Index), den Zettelkasten zu betreten und sich dann über das Netzwerk zum Ziel zu navigieren. Beim Navigieren durch das System fallen mir manchmal Abkürzungen auf und ich treffe auf dem Weg interessanten Zettel oder Abzweigungen, die ich genauer anschauen möchte. Deswegen ist es auch wieder wichtig, dass die Zettel übersichtlich sind. Das lädt dazu ein, sich mit ihnen zu beschäftigen.